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GELEITWORT

 

 

Zu Beginn der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte ich das Privileg, an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETHZ) in Zürich mit Hilfe des ersten in der Schweiz verfügbaren programmierbaren Computers Zuse 4 eine Doktorarbeit zu verfassen. Die damaligen in unserem Lande ersten Schritte in den Computerwissenschaften, die später unter dem Namen „Informatik“ zusammengefasst wurden, fanden aber bei den kantonalen Universitäten nur sehr zögerlich Aufnahme, insbesondere die Anerkennung der Informatik als eigene wissenschaftliche Disziplin. Selbst an der ETHZ erhielt erst 1974 die Gruppe der Informatikprofessoren ein eigenes Institut für Informatik und erst 1981 konnte ein Departement für Informatik organisiert werden.

Die rapide Entwicklung der Leistungsfähigkeit und Miniaturisierung der Computer trug wesentlich zu einem gewaltigen Anstieg der Datenproduktion bei und führte zu einem massiven Ausbau der Datenkommunikation, die wiederum nur mit einem weitgehenden Computereinsatz bewältigt werden kann. Dementsprechend müssen die Kommunikationstechniken ausgebaut und der Zugang zu diesen vermittelt werden.

Auf unserem Planeten, der durch ein zunehmendes Bevölkerungswachstum und steigende Ansprüche seiner menschlichen Bewohner bedroht wird, kann die Schweiz  ihre Stellung als einer der wohlhabendsten und fortschrittlichsten Staaten mit vorzüglichem Lebensstandard und ihre direkte Demokratie nur bewahren, wenn sie über ein modernes, leistungsfähiges Bildungswesen und eine hochstehende Forschung verfügt. Dies erfordert aber nicht bloss einen optimalen Ausbau unserer Hochschulen zur Berücksichtigung der neuesten Entwicklungen im ICT-Bereich, sondern auch eine Neugestaltung der allgemeinen Grundausbildung, die in der Primar- und Sekundärstufe angeboten werden, sowie des Informatikunterrichts an den Maturitätsschulen. Die Vermittlung der drei Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen reicht heute bei weitem nicht mehr aus, um allen in den jetzigen persönlichen und beruflichen Lebensumständen, in denen Computer zentrale Aufgaben erfüllen, ein befriedigendes Auskommen zu sichern.

Mir war es als Direktor des Bundesamtes für Bildung und Wissenschaft ein Anliegen, den Informatikunterricht als eigenständiges Fach an den Maturitätsschulen zu etablieren. Dabei stellte sich konkret auch die Frage, ob die Integration eines ICT-Faches in die Unterrichtsprogramme genügt, oder ob ein umfassenderes Informatikwissen, das eine autonomere Nutzung der modernen Computertechnik gestattet, vermittelt werden sollte. Die Autoren der Lernplattform TigerJython, die darlegen, wie mit der Programmiersprache Python und einer didaktisch konzipierten Programmierumgebung die wichtigsten Informatikkonzepte auf eine einfache Art unterrichtet werden können, liefern zur Beantwortung dieser Frage eine ausgezeichnete Unterlage für ihre Empfehlung, ein Fach Informatik ab dem 6. Schuljahr einzuführen.

Die nachfolgende kürzlich erschienene schweizerische Pressemitteilung "Die Schweizer E-Government-Angebote sind im internationalen Vergleich nur Mittelmass... Die Schweiz ist unter den europäischen Staaten gar auf den vorletzten Platz zurückgefallen" zeigt meiner Meinung nach die Notwendigkeit eines baldigen Eingehens auf  diesen Vorschlag, da dieser bedenkliche Rückfall nicht zuletzt auf eine ungenügende Verfügbarkeit von Informatikwissen in der für das Angebot verantwortlichen Institutionen zurück zu führen ist. In unserem reichen Land mit seiner grossen Computerdichte dürfte es nicht an den erforderlichen materiellen Voraussetzungen fehlen!

Prof. Dr. sc. math., Dr. h.c. Urs Hochstrasser, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Bildung und Wissenschaft (http://hochstrasserurs.blogspot.ch)